Preisverleihung „Gnitzer Griffel in Bruchsal

Badische Neueste nachrichten vom 9.9.2009

Die Dialektquelle sprudelt reichlich

Mundart-Gala in Bruchsal: Arbeitskreis Heimatpflege vergab Preise im Wettbewerb „de gnitze Griffel“

Bruchsal (kdm). So viele unterschiedliche „Sprachen“ wie es an diesem Abend im Bruchsaler Bürgerzentrum zu hören gab, dürften bei einer einzigen Veranstaltung in der Region ganz selten gesprochen worden sein. Gleichwohl verstand fast jeder – zugegeben mit einigen Abstrichen –, was auf der Bühne zum Besten gegeben wurde: Bruslerisch, Söllingerisch, Östringisch, Nereterisch, Karlsdorferisch, Alemannisch in mehreren Ausprägungen, Odenwälderisch – um nur einige Beispiele zu nennen.
Allein mit Blick auf die Fülle der Dialekte hatte Regierungspräsident Rudolf Kühner bei der Eröffnung des Galaabends allemal recht, als er Dialekte „als Quelle, aus der die Sprache schöpft“ bezeichnete. Und es sollte ein Abend werden, an dem die Dialektquelle reichlich sprudelte.

Dafür sorgten allein schon die Preisträger des Mundartwettbewerbs „de gnitze Griffel“; ausgeschrieben vom Arbeitskreis Heimatpflege Regierungsbezirk Karlsruhe, dessen Vorsitzender Kühner ist. 25 Jahre Bestehen feiert der Arbeitskreis dieses Jahr. Grund genug, zum Mundart-Galaabend einzuladen. Dass „Quellwasser“ und „Feuer“ im voll besetzten Rechbergsaal des Bürgerzentrums „dialektisch“ durchaus miteinander harmonierten, stellte obendrein die Bruchsaler Oberbürgermeister Cornelia Petzold-Schick fest: „Mundart bringt Feuer in die Sprache.“ Auch sie sollte recht behalten. Durch den launigen Abend führten die gut aufgelegten Moderatoren Winfried Bartsch vom SWR4 Badenradio sowie BNN-Redakteur und Jury-Vorsitzender Thomas Liebscher. Beide sind übrigens in Wort und Schrift ausgewiesene Mundartspezialisten.

Wie vielfältig in ihren Ausdrucksformen Mundart sein kann, belegten in einer kleinen „Dialekt-Runde“ die Preisträger vergangener Mundartwettbewerbe. Mundartsprache zu entdecken, sei für sie zum Erlebnis geworden, befand die selbst ernannte „Großmutter der Mundart“, Else Gorenflo aus Stutensee. Eben auf solch eine Entdeckungsreise begaben sich 117 Autoren, die beim „gnitze Griffel“ ihre Schreibfeder schwangen. Geschichten über allzu menschliche Begebenheiten, einfache, auf den Punkt gebrachte Wahrheiten und Beobachtungen, Gedichte und Erzählungen, die von der Ausdrucksform Mundart erst zu leben beginnen, finden sich unter den Beiträgen
genauso wie Lieder und Wortspiele, die in jeder anderen Sprache, außer der heimischen Mundart, zu Sinnesverknotungen führen würden.
Für den richtigen musikalischen Ton sorgten Dieter Huthmacher, begleitet von Matthias Hautsch, und Joana, begleitet von Peter Karlinger. Und dann gab’s ja noch die Odenwälder Trachtengruppe Steinachtal, die tatsächlich im Dialekt über die Bühne wirbelte.

Rechtzeitig zur Preisverleihung kam eine Sammlung mit prämierten Mundarttexten aus der Region zwischen Rhein, Odenwald und Schwarzwald heraus: „I riech nix“, ISBN 978-3-88190-557-2. Eine Aufzeichnung des Galaabends ist heute zwischen 17 und 18 Uhr bei SWR4 zu hören.


IN EINERE REIH’: – die Preisträger beim Mundartwettbewerb samt Regierungspräsident und Oberbürgermeisterin. Foto: Müller

Die Preisträger beim Mundartwettbewerb „de gnitze Griffel“.•

Kategorie Lied: 1. Preis Norbert Zoller, Lichtenau, „Mim Deifel donze“; 2. Preis Elisabeth Sandel, Mudau-Waldauerbach, „so kann dr Rega sei“; 3. Preis Charly Weibel, Reilingen, „mir sinn hald all sou, wie ma sinn“.
• Kategorie Lyrik: 1. Preis Andreas Kohm, Durmersheim, „vun Heeresaa owweraa“; 2. Preis Roland Bruchmann, Neureut,
„nooch em Klimawandel“; 3. Preis Regina Oesterle, Iffezheim, „träm i, spinn i oda wo bin i?“.
• Kategorie Prosa: 1. Preis Anton Ottmann, Dielheim, „jedes Joar Geburtstag“; 2. Preis Karin Koch, Bretten, „Schlagofall“;
3. Preis Arnfried Futterer, Philippsburg, „vun’eme Brief, wu isch mol gärn gschriwwe ghat hedd …“.
• Kategorie Szene: 1. und 2. Preis entfielen. 3. Preis Thomas Huber, Karlsdorf-Neuthard, „Missverständnis“, und Brigitte Wagner, Rastatt, „immer widder donnerschdags“.

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