Meine Sprache | Mei Sprohch

Warum ich diese kleine Abhandlung schrieb:

Wenn man schon in seinem heimischen Dialekt singt, dann sollte man sich damit auch auseinandersetzen.

Dies soll aber keine abschließende oder gar wissentschaftliche Betrachtung werden. Ich möchte lediglich der(m) Interessierten ein wenig Basiswissen vermitteln.
Für diejenigen, die mehr darüber erfahren möchten, habe ich am Ende meiner Ausführungen noch einige nützliche Links hinterlassen.

Wieso nennt man diesen Dialekt „Kurpfälzisch“?

Viele Menschen (ich selbst übrigens auch) bezeichnen unseren Dialekt als „Kurpfälzisch“.
Dies ist zwar soweit richtig, als dass er in dem Gebiet der ehemaligen Kurfpalz gesprochen wird.
Dialekt beziehen sich aber normalerweise immer auf Volksstämme.
So kennen wir z. B. das Hessische, das Bayerische, das Sächsische und -wenn es denn sein muss- auch das Schwäbische.

Die eigentlich korrekte Bezeichnung:

Der kurpfälzische Dialekt wäre korrekterweise als „Rheinfränkisch“ zu bezeichnen. Hergeleitet von den wandernden Franken, welche sich am Rhein niederließen.

Kurpfälzisch ist übrigens eine Untergruppe der vorderpfälzischen Dialektgruppe.
Es ist der einzige rechtsrheinische pfälzische Dialekt.

Das Kurpfälzische wird in der rechtsrheinischen Kurpfalz gesprochen, der Unterschied zum linksrheinischen Vorderpfälzischen ist minimal. Eigentlich sind die Vorderpfalz und die Kurpfalz als ein Sprachraum zu sehen, umrahmt von den eher singenden Versionen in Odenwald und Pfälzerwald. Das kurpfälzische Sprachgebiet erstreckt sich von Mannheim, Lampertheim und Viernheim im Norden über Weinheim, Heidelberg und Wiesloch nach Bruchsal im Süden; im Osten reicht es in den badischen Odenwald hinein über Neckargemünd bis nach Eberbach, Mosbach und Sinsheim. Etwa 1.500.000 Personen wohnen im Gebiet des kurpfälzischen Sprachraums.

In den östlichen Teilen des badischen Odenwaldes spricht man einen südrheinfränkischen Dialekt, das so genannte Odenwäldische. Der auffälligste Unterschied zwischen dem kurpfälzischen Dialekt und dem ähnlich aufgebauten, aber trockener klingenden Dialekt des hessischen Odenwaldes (Odenwälderisch) im Norden ist das typische kurpfälzische „Singen“, das oft die Betonung am Ende eines Satzes oder gemeinhin unbetonter Satzteile ansteigen lässt.

Einfluss des Französischen:

Aufgrund der historischen Entwicklung der Region hatte die französische Sprache einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung der kurpfälzischen Dialekte („Droddwaa“ = Trottoir, „Schässlong“ = Chaiselongue, „alla“ = à la prochaine, „allé“ = Allez, „mallad“ = malade). Ebenso hinterließen das Rotwelsche und Jiddische deutliche Spuren. Auch mit den Amischen (USA), die teilweise heute noch das vom Pfälzischen abstammende Pennsilfaanisch Deitsch sprechen, ist eine Verständigung relativ einfach möglich.

Kleine Unterschiede

Nicht nur in den einzelnen Teilgebieten der Kurpfalz unterscheiden sich die dort gesprochenenen Dialkekte mehr oder minder stark voneinanden.
Nein, auch von Ort zu Ort gibt es Unterschiede. Diese erschließen sich einem Ausenstehenden oder „Reigeblaggden“ nicht sofort – die Bewohner der einzelnen Döfer können aber oft anhand der Sprachfärbung feststellen, aus welcher Ortschaft man stammt.

Aus diesem Grund habe ich auch ein eigenes Reilinger Dialektlexikon erstellt.
Gemeinsam mit dem leider nicht mehr existierenden Mundart-Stammtisch wurden viele Dialektwörter zusammengetragen. Manche davon würden ansonsten in Vergessenheit geraten, da sie heutzutage nicht mehr benutzt werden.

Das Besondere am Reilinger Dialekt ist die häufige Verwendung des „´o`, wie es z. B. im französischen Vornamen „Jean“ zu hören ist. Diesem Laut, der wohl auch vom Aussterben bedroht ist, habe ich das Lied „D’Ohjafroh“ gewidmet!

Weitere Links:

Hier noch weiter Links zur weiteren Erforschung des „Kurpfälzischen“:
Lexikographisch erfasst und bearbeitet werden die kurpfälzischen Dialekte im Badischen Wörterbuch.