Vorstellung der CD „Hosch schunn kehrt“

Schwetzinger Zeitung vom 17.02.2001

Muddersprooch“ und Dialekt im Vergleich

Charly Weibel stellte gestern seine erste Mundart-CD „Hosch schunn kehrt“ vor / Publikum begeistert

Reilingen – Spätestens seit dem letztjährigen Straßenfest wissen auch die Reilinger, dass ihr Ortspolizist und SPD-Gemeinderat Charly Weibel nicht nur als Frontsänger der Rockformation „Jezebel’s Tower“ sondern auch als Mundartsänger musikalisch eine gute Figur machen kann. Seine im heimischen Dialekt gesungenen Lieder begeisterten auf Anhieb das Publikum und immer öfters wurde er gefragt, wann denn endlich die Stücke auf einer CD zu hören seien. „Ich konnte diese Frage einfach nicht mehr hören und habe alles daran gesetzt, dass es nun tatsächlich noch mit dieser Produktion klappt“, betonte Charly Weibel am gestrigen Freitag bei der Vorstellung seiner ersten Mundart-CD „Hosch schunn kehrt“.

Da die Nuancen des Dialekts in der Kur-pfalz von Ort zu Ort verschieden sind und auch nicht alle hier lebenden Menschen immer die lokale Sprache beherrschen, fügte
er schelmisch grinsend hinzu, dass damit nicht etwa die „Kehrwoche“ gemeint sei sondern lediglich die Frage „Hast du das auch schon gehört?“ gestellt werde. Begonnen hat die Geschichte dieser CD eigentlich schon 1999. „Ich wollte schon immer mal etwas in kurpfälzer Mundart machen“, verdeutlichte Charly Weibel. „Dies ist nämlich die einzige Sprache, die ich neben Englisch einigermaßen beherrsche.“ Er reichte spontan zwei Lieder für den Mundartwettbewerb des Regierungspräsidiums Karlsruhe ein – und gewann mit der Ballade „En Freund fass Lehwe“ als Neuling in der Mundartszene sofort in der Sparte Lied. Das Preisgeld investierte er in eine Maxi CD mit dem Siegertitel. Reflektierte dieser noch wie die Bilder einer Ausstellung das Innere der Seele von Charly Weibel, blickt er jetzt auf der neuen CD so richtig ins pralle Leben der Kurpfälzer. Mit einem besonderen Gespür für das außergewöhnlich Selbstverständliche porträtiert er in elf Liedern Momente und Situationen seiner Mitmenschen. Ohne sie da bei lächerlich zu machen, wandelt Charly Weibel auf dem schmalen Grat zwischen herzerfrischender Komik („Isch heb gedenkt, dass es lengt“) und gefühlvoller Tragödie (De Karl).
Ganz nach dem Motto „Das Leben ist zu ernst, um es ernst nehmen zu müssen“, erzählt er in „Hosch schunn kehrt“ die Geschichte der Tratschtante Anna, berichtet in „Isch ess doch nix!“ vom täglichen Kampf um die Figur oder schildert in „De Schrank vun meine Froh“ seine Probleme mit der Klamottenwahl. Außerdem stellt er mit einem Augenzwinkern zudem fest, dass „Uffem Friedhouf“ als Ort der dörflichen Kommunikation immer etwas los sei.

Und dann ist da auch noch im Lied vom „Reilinga Keeskuche“ eine kulinarische Liebeserklärung an seine Heimatgemeinde.
Man muss die Stücke einfach anhören, um sich und seine Umwelt in ihnen wie in einem Spiegel wiederzufinden. Und wer beim Lied „Des isch mei Sproch“ richtig zuhört, kennt spätestens dann auch die feinen Unterschiede zwischen Sprache und Dialekt: „Mit de Sprooch, seschd ma des, was ma mohnt un de Dialekt isch des, wie mas ausdriggt.“
Am besten kommt diese Weibel’sche Sprachphilosophie wohl in seinem Lied „De Gemeinderohd“ zum Ausdruck. Treffender kann man diese Institution, noch besser, die am Ratstisch sitzenden Personen, nämlich nicht charakterisieren.
Auch für dieses Stück gilt übrigens, dass keine Rückschlüsse auf lebende oder verstorbene Personen gezogen werden sollten – aber, so Charly Weibel hintergründig lächelnd: „Falls sich jemand trotzdem in den Stücken wiederfindet, ist das kein Fehler, sondern durchaus so beabsichtigt“. Alla, bis dann….
Die erste komplette Mundart-CD von Charly Weibel ist in einer Liebhaber-Edition von 500 Stück erschienen und kann noch in geringer Stückzahl bei den Geschäftsstellen der Volksbank Bezirk Schwetzingen zum Preis von 25 Mark erworben werden .

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